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Mittwoch, 2026-09-30

Bienen und Wespen

Pelzbiene Bild: Bernhard Renke

Ein Platz für Wildbienen, Solitärwespen und Hummeln

Heimische Arten im Garten; Park und Landschaft ansiedeln und beobachten. Wichtig ist die Bedeutung von Wildbienen, Wespen und Hummeln in der Natur und damit auch für uns Menschen. Der Einfachheit halber, verwenden wir in diesem Text, den Terminus "Wildbiene" auch für Hummel und Solitärwespe. Sie steuern keinen Honig zu unserem Frühstücksbrötchen bei, weshalb sind sie dann so nützlich?
Wildbienen bestäuben unzählige Wild- und Nutzpflanzen. Einzelne Arten haben sich auf bestimmte Pflanzen spezialisiert. So werden Gurken, Tomaten oder auch die Obstbäume von ihnen bestäubt.
Jeder kann diesen kleinen Nützlingen, ohne große Kosten und mit einfachen Mitteln wirkungsvoll helfen.

Lebensweise

Die meisten Wildbienen -Arten, in Deutschland gibt es über 500, leben nicht in großen Staaten, sondern allein. Jedes Wildbienen-Weibchen sucht oder baut eine Brutzelle und deponiert darin einen Vorrat aus Nektar und Blütenstaub. Ist genügend Proviant vorhanden, legt die Einsiedlerbiene ein Ei darauf ab und verschließt die Brutzelle. Die aus dem Ei schlüpfende Larve ernährt sich selbständig vom Futtervorrat und verpuppt sich anschließend. Die meisten Arten haben nur eine Generation pro Jahr und verlassen erst im darauf folgenden Jahr die Brutzelle.
Entsprechend der Vielfalt der Wildbienen gibt es auch die unterschiedlichsten Bauweisen. Einige graben Röhren in Sandböden, nagen Brutgänge in morsches Holz oder markhaltige Zweige, andere mauern sogar mit selbsterstelltem Mörtel steinharte Burgen für ihren Nachwuchs. Viele dieser interessanten Insekten beziehen aber einfach bereits vorhandene Hohlräume wie Löcher im Verputz von Hauswänden, hohle Stengel oder Käferfraßgänge in besonnten, morschen Bäumen sowie in alten, unbehandelten Holzschuppen und Zaunpfählen.

Gefährdung

Wildbienen sind insbesondere durch den Verlust von geeigneten Brutmöglichkeiten gefährdet. Neben akuter Wohnungsnot leiden Wildbienen auch an Nahrungsmangel. Besonders hart trifft es einige hoch spezialisierte Wildbienen, deren Nachkommen sich teilweise nur vom Blütenstaub einer einzigen Pflanzenart ernähren können.
Erschreckende Bestandseinbrüche und das Aussterben einiger Arten sind die Folge. So wurden 1997 in Deutschland 284 Bienenarten (52 %) in die "Rote Liste" aufgenommen.

Schutzmöglichkeiten

Wie können wir helfen?

Um die Nahrungsquellen der emsigen Blütenbesucher zu erhalten, ist auf die Verwendung von Chemie zu verzichten. Einheimische Wildpflanzen sollten in Gärten und Grünanlagen wieder eine Chance erhalten. Eine bunte Blumenwiese ist im Gegensatz, zu Rasenflächen, für Wildbienen ein wahres Schlaraffenland.
Ohne Brutmöglichkeiten können diese Insekten nicht für Nachwuchs sorgen. Deshalb müssen auch hier Hilfsmaßnahmen ansetzen. Bereits vorhandene, natürliche Brutplätze sollten gesichert werden. Jeder kann mit speziellen Bruthilfen vielen bedrohten Wildbienen sehr wirkungsvoll helfen.
Bruthilfen befestigt man so, dass sie der Sonneseite zugewandt sind. (Süd oder Südost) Die waagerecht liegenden Gänge müssen von den Tieren frei anzufliegen sein. Feuchtigkeit schädigt die Entwicklung des Nachwuchses. Deshalb sollte ein regengeschützter Standort bevorzugt werden oder die Bruthilfe mit einem überstehenden, wasserabweisenden Dach geschützt werden. Zumeist beziehen Wildbienen, Einsiedlerwespen und Hummeln Bruthilfen schon nach wenigen Tagen. Von April bis Oktober herrscht reges Treiben. Die einzelnen Arten fliegen allerdings nur wenige Wochen im Jahr. Damit auch Frühjahrsarten einen Platz finden, sollten die Bruthilfen von Ende März an bezugsfertig sein.

Bauanleitungen von Nisthilfen und weitere Tipps finden Sie auf dieser Internetseite oder im Schlossgewölbe.
(Öffnungszeiten: Sonntags von 13-18 Uhr)

Fesselnde Beobachtungen

Niemand sollte sich die ungemein faszinierende Lebensweise der einzeln lebenden Bienen und Wespen entgehen lassen. Insbesondere Kinder und Jugendliche können mit Hilfe von "Bienenhotels" eine positive Beziehung zu Insekten aufbauen. Deshalb bietet es sich an, Bruthilfen zu beobachtbar (z. B. auf Balkon oder Terrasse) aufzuhängen. Alle Bewohner von sind absolut friedlich; niemand braucht Angst vor ihnen zu haben. Für den Menschen sind die Nützlinge absolut ungefährlich. Die fleißigen Insekten säubern sogar alte, verlassene Brutzellen und beziehen sie dann neu.

Goldwespe (Chrysis ignita)

Goldwespe Bild: Bernhard Renke

Die Larven leben parasitisch an den verschiedensten Bienenarten besonders auch Wildbienen wie Mauer oder Pelzbienen.
Hierzu legt das Wespenweibchen wie ein Kuckuck ihre Eier in die Bruthöhle und die schlüpfenden Larven fressen die Eier von den Bienen und den eingetragenen Proviant.

Lehmwespe (Ancistrocerus nigricornis)

Lehmwespe Bild: Bernhard Renke

Lehmwespen nehmen dankend jede angebotene Nisthilfe an.
Die Nahrung der Larven besteht aus eingetragene Raupen

Knotenwespe (Cerceris rybyensis)

Knotenwespe Bild: Bernhard Renke

Die Knotenwespe gräbt selber ihre Bruthöhle in Sandige Lehmhaltige Böden.
Im Schlossinnenhof sind kleine Sandhügel zwischen dem Kopfsteinpflaster mit 5-6mm Löcher zu beobachten. Dort trägt die Wespe Wildbienen ein.

Rote Mauerbiene (Osmia rufa bicornis)

Rote Mauerbiene Bild: Bernhard Renke

Sie steuern keinen Honig zu unserem Frühstücksbrötchen bei.
Wieso sind sie denn dann nützlich?
Wildbienen bestäuben unzählige Wild- und Nutzpflanzen. Einzelne Arten haben sich auf bestimmte Pflanzen spezialisiert. So werden Gurken, Tomaten oder auch die Obstbäume von ihnen bestäubt.
Gerade in der Zeit der Varroamilbe erkennt die Wissenschaft den Nutzen der Wildbienen.
Amerikanische Plantagenbesitzer wollen jetzt die Rote Mauerbiene gezielt zur Befruchtung ihrer Blütenpflanzen einsetzen. Die Varroamilbe hat schließlich fast 70% der Honigbienen auf dem Gewissen.

Rotpelzige Sandbiene (Andrena fulva)

Rotpelzige Sandbiene Bild: Bernhard Renke

Johannisbeer und Stachelbeerblüten sind für die Sandbiene Lebenswichtig.
Wir erfreuen uns an die köstlichen Beeren und die Biene trägt mit ihrer Pollensammelleidenschaft da zu bei, das die Sträucher tragen.
Die Rotpelzige Sandbiene gräbt ihre Bruthöhlen selber.

Trauerbiene (Melecta albifrons)

Trauerbiene Bild: Bernhard Renke

Die Ziegelsteinmauer am Schlosskapellchen beherbergt eine kleine Anzahl (für Herten) seltene Bienenart. Auch hier werden Nisthilfen gerne angenommen

Pelzbiene (Anthophora plumipes)

Pelzbiene Bild: Bernhard Renke

Mit hastigen Flugmanövern rast plumipes über Lungenkraut und andere Frühlingsblüten.
Pelzbienen sind typische Bodenbesiedler, die Weibchen bauen ihre Brutzellen gern in Steilwänden aus Lehm oder Löss.
Wer Wände aus Lehm baut, um diesen Tieren Brutmöglichkeiten zu bieten und sie besser beobachten zu können, hat gute Chancen, dass die Pelzbiene sich dort einnistet.

Quellenangabe für Text: Volker Fockenberg, www.wildbiene.com und für die Fotos: Bernhard Renke, www.sechsbeine.de.